Erst verloren, dann zurückgeholt? Spielerrechte werden gestärkt

Online-Glücksspiele wirken oft international, modern und rechtlich abgesichert. Viele Anbieter treten mit Lizenzen aus anderen EU-Staaten auf und richten ihr Angebot gezielt an Spieler in ganz Europa. Gleichzeitig bleibt die Rechtslage in einzelnen Ländern streng reguliert.

In Österreich gilt ein staatliches Glücksspielmonopol. Ohne nationale Konzession dürfen Anbieter keine Online-Casinospiele anbieten. Genau an dieser Stelle entstehen seit Jahren rechtliche Konflikte, die mittlerweile regelmäßig vor Gerichten landen, lesen Sie hier auf Finanz & Recht | Österreich.

Erst Geld im Online-Casino verloren, dann zurückgeholt? Neues EuGH-Urteil stärkt die Rechte von Spielern bei illegalem Glücksspiel

Ausgangspunkt: Ein Fall aus Österreich

Ein aktuelles Verfahren zeigt, wie komplex diese Fälle werden können. Ein Spieler aus Österreich nahm an einem Online-Casino teil, das von Malta aus betrieben wurde, und verlor mehrere tausend Euro.

Der Anbieter verfügte zwar über eine maltesische Lizenz, jedoch nicht über die erforderliche österreichische Konzession. Der Spieler klagte daraufhin nicht nur das Unternehmen, sondern auch dessen Geschäftsführer auf Rückzahlung der Verluste.

Die Gegenseite argumentierte, dass weder österreichische Gerichte zuständig seien, noch österreichisches Recht zur Anwendung kommen dürfe. Ihrer Ansicht nach müsse der Fall nach maltesischem Recht beurteilt werden.

Rechtsanwalt Peter Harlander Peter Harlander
Harlander & Partner Rechtsanwälte
„Illegales Online-Glücksspiel endet nicht mit dem letzten Einsatz, sondern beginnt oft erst vor Gericht“

OGH bringt den Fall nach Luxemburg

Der Oberste Gerichtshof musste klären, welches Recht bei Online-Glücksspielen über Ländergrenzen hinweg gilt.

Da es sich um eine europarechtliche Frage handelt, legte der OGH den Fall dem Europäischen Gerichtshof vor. Im Mittelpunkt stand die Rom-II-Verordnung. Sie regelt, welches nationale Recht bei Schadenersatz anzuwenden ist.

Unklar war vor allem, ob die Haftung der Geschäftsführer zum Gesellschaftsrecht gehört oder ob es sich um einen normalen Schadenersatzfall handelt.

EuGH trifft Grundsatzentscheidung

Der Europäische Gerichtshof entschied am 15. Jänner 2026 (C-77/24) zwei zentrale Punkte:

Erstens: Die Haftung von Geschäftsführern in solchen Fällen fällt nicht unter das Gesellschaftsrecht. Vielmehr handelt es sich um eine deliktische Haftung wegen Verstoßes gegen gesetzliche Verbote.

Zweitens: Maßgeblich ist der Ort, an dem der Schaden eingetreten ist. Und dieser liegt grundsätzlich dort, wo der Spieler seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat.

Damit stellte der EuGH klar, dass bei illegalen Online-Glücksspielen nicht der Sitz des Unternehmens entscheidend ist, sondern die Situation des Spielers.

Warum der Wohnsitz plötzlich entscheidend ist

Gerade bei Online-Angeboten lässt sich schwer feststellen, wo ein Spiel tatsächlich „stattfindet“. Server stehen im Ausland, Zahlungen laufen über internationale Konten, und Anbieter agieren grenzüberschreitend.

Der EuGH hat dieses Problem pragmatisch gelöst:
Der Schaden entsteht dort, wo sich die Auswirkungen zeigen, also beim Spieler selbst.

Wenn ein Spieler von Österreich aus an einem nicht erlaubten Online-Casino teilnimmt und dabei Geld verliert, gilt der Schaden rechtlich als in Österreich eingetreten.

Bereits zuvor hatte der Oberste Gerichtshof mehrfach entschieden, dass Spieler Verluste zurückfordern können, wenn ein Anbieter ohne österreichische Lizenz tätig war.

Gerichte sprachen in einzelnen Fällen bereits Rückzahlungen in Höhe von mehreren zehntausend Euro zu. Die praktische Durchsetzung blieb jedoch schwierig, vor allem bei Anbietern mit Sitz im Ausland.

Neue Dynamik für Rückforderungen

Mit der Entscheidung des EuGH verändert sich die Ausgangslage deutlich. Ansprüche können nun grundsätzlich im Wohnsitzstaat des Spielers geltend gemacht werden.

Das stärkt die Position von Betroffenen erheblich, da sie sich auf das für sie günstigere nationale Recht stützen können. Gleichzeitig verlieren Argumente an Gewicht, die auf ausländische Zuständigkeiten oder Rechtsordnungen verweisen.

Die größte Bedeutung des Urteils liegt in einer scheinbar einfachen Feststellung:
Nicht der Sitz des Casinos entscheidet über den Fall, sondern der Ort, an dem der Schaden eintritt.

Und dieser Ort ist in vielen Fällen nicht Malta oder ein anderer Lizenzstaat, sondern der Wohnsitz des Spielers.

Genau dieser Perspektivenwechsel könnte künftig darüber entscheiden, ob verlorenes Geld endgültig verloren bleibt, oder doch noch zurückgefordert werden kann.

Zuletzt geändert: 24.06.2026
Autor Dr. Mariella Stubhann, MPM MBA
Beruf: Medieninhaberin, Chefredakteurin, Juristin
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Dr. Mariella Stubhann, MPM MBA, ist Herausgeberin und Chefredakteurin von Finanz & Recht | Österreich. Ihre journalistischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Recht, Finanzen, Steuern und Soziales.

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