Neue Paketsteuer ab Juli 2026: Droht nun die nächste Teuerungswelle?
Die Regierung will Billigplattformen stärker zur Kasse bitten und damit mehr Fairness im Onlinehandel schaffen. Doch genau dieser Plan könnte nach hinten losgehen. Ausgerechnet heimische Händler, kleine Betriebe und viele Haushalte könnten am Ende jene Rechnung zahlen, die eigentlich für internationale Billiganbieter gedacht war, lesen Sie dazu mehr hier auf Finanz & Recht | Österreich.
Eine kleine Gebühr mit großer Sprengkraft
Es klingt zunächst harmlos: € 2,- pro Paket. Kein Betrag, der auf den ersten Blick nach einem großen Einschnitt wirkt. Doch genau diese geplante Abgabe sorgt im österreichischen Onlinehandel für massiven Widerstand.
Denn hinter der neuen Paketsteuer steckt ein heikles Versprechen: Billigplattformen aus Drittstaaten sollen fairer besteuert werden. Gefährliche, nicht zugelassene oder extrem billige Produkte sollen nicht länger einen Wettbewerbsvorteil haben.
Doch Branchenvertreter warnen inzwischen vor einem ganz anderen Effekt. Die Steuer könnte nicht jene treffen, die sie treffen soll, sondern heimische Händler, europäische Anbieter und am Ende die Konsumenten selbst.
Peter HarlanderHarlander & Partner Rechtsanwälte „Eine Paketsteuer, die Billigplattformen treffen soll, darf am Ende nicht heimische Betriebe und Haushalte belasten.“
Der Plan der Regierung klingt einfach
Das Finanzministerium will nach aktuellen Plänen eine neue Abgabe auf Pakete einführen. Pro Sendung sollen € 2,- fällig werden, allerdings nur bei großen Onlinehändlern mit einem Jahresumsatz von mehr als € 100 Millionen.
Die erwarteten Einnahmen sind beträchtlich: Rund € 280 Millionen soll die Paketsteuer bringen. Dieses Geld soll helfen, die geplante Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel teilweise zu finanzieren. Diese Entlastung ist ab 1. Juli 2026 vorgesehen.
Auf den ersten Blick klingt das nach einem einfachen Tausch: Lebensmittel werden billiger, große Onlinehändler zahlen dafür einen Beitrag.
Doch genau an diesem Punkt setzt die Kritik an.
Die Warnung aus der Branche fällt ungewöhnlich scharf aus
Aus der Branche kommt deutliche Kritik an den Plänen. Die geplante Paketsteuer könnte ihr eigentliches Ziel verfehlen, weil gerade jene Anbieter schwerer zu erfassen sind, gegen die sich die Maßnahme richten soll.
Billigplattformen aus Drittstaaten könnten mögliche Schlupflöcher nutzen, während heimische Unternehmen und europäische Anbieter stärker belastet werden. Damit würde eine Steuer, die faire Bedingungen schaffen soll, am Ende neue Wettbewerbsnachteile erzeugen.
Das Problem liegt vor allem in der Kontrolle. Österreichische Händler, europäische Webshops und Marktplätze mit Sitz in Österreich sind für Behörden leichter greifbar. Bei Plattformen aus Asien könnte der Vollzug dagegen deutlich schwieriger werden. Genau darin sehen Branchenvertreter das größte Risiko.
Der Onlinehandel ist längst mehr als Bequemlichkeit
Die Debatte dreht sich nicht nur um Mode, Technik oder spontane Bestellungen. Für viele Menschen ist der Onlinehandel ein Teil der Grundversorgung geworden.
Am Land ersetzt der Versand oft lange Wege. Für ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen kann eine Lieferung den Alltag erleichtern. Auch Medikamente, Pflegeprodukte, Ersatzteile oder dringend benötigte Waren erreichen viele Haushalte über den Paketweg.
Heimische Händler sehen einen Österreich-Aufschlag
Für heimische Betriebe könnte die geplante Paketsteuer zu einem echten Wettbewerbsnachteil werden. Unternehmen, die in Österreich tätig sind, hier Abgaben leisten, Arbeitsplätze sichern und strenge Vorgaben erfüllen, wären besonders leicht erfassbar.
Genau darin liegt das Problem: Während Anbieter außerhalb Europas schwerer kontrolliert werden können, müssten österreichische und europäische Händler die neue Regelung vollständig umsetzen.
In der Branche ist deshalb von einem zusätzlichen Österreich-Aufschlag die Rede. Gemeint ist ein Kostenfaktor, der Bestellungen bei heimischen und europäischen Anbietern verteuern könnte. Das würde ausgerechnet jene Unternehmen schwächen, die ohnehin bereits unter hohen Kosten für Logistik, Energie, Personal und Bürokratie leiden.
Betroffen wären dabei nicht nur internationale Online-Riesen. Auch größere österreichische Versandhändler und Webshops bekannter Handelsketten könnten unter die Regelung fallen, weil die geplante Umsatzgrenze auch heimische Anbieter erfassen kann.
Die Steuer soll entlasten und könnte doch verteuern
Politisch ist die geplante Paketsteuer besonders heikel. Sie soll einen Teil jener Entlastung finanzieren, die durch die Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel entstehen soll.
Genau darin sehen Kritiker ein Problem. Einerseits sollen Lebensmittel günstiger werden. Andererseits könnten Onlinebestellungen durch die neue Abgabe teurer werden.
Für viele Haushalte kann dieser Effekt spürbar sein. Wenn beim Lebensmitteleinkauf etwas Geld gespart wird, dafür aber Bestellungen des täglichen Bedarfs mehr kosten, schrumpft die Entlastung schnell. Das betrifft etwa Kleidung, Schulbedarf, Ersatzteile, Pflegeprodukte oder andere Waren, die regelmäßig online gekauft werden.
Was jetzt entscheidend wird
In den nächsten Wochen soll das Begutachtungsverfahren anlaufen. Erst danach wird klarer, ob die Regierung die Paketabgabe tatsächlich umsetzt, noch verändert oder doch nach einer anderen Lösung sucht.
Bis dahin bleibt die geplante Abgabe ein politischer Zündstoff. Denn € 2,- pro Paket klingen zunächst überschaubar, können aber eine deutlich größere Wirkung entfalten. Im Kern geht es um die Frage, wer die Kosten trägt, wenn Entlastungen an einer Stelle durch neue Belastungen an anderer Stelle finanziert werden.
Genau deshalb warnen Kritiker vor einem Bumerang-Effekt. Die Paketsteuer soll eigentlich Billigplattformen treffen. Am Ende könnten jedoch heimische Betriebe, viele Haushalte und besonders jene Menschen zahlen, die auf Lieferungen angewiesen sind.