Mobbing

Mobbing

Mobbing am Arbeitsplatz bezeichnet ein systematisches, über längere Zeit andauerndes feindseliges Verhalten gegenüber einer bestimmten Person im beruflichen Umfeld. Ziel dieses Verhaltens ist es, die betroffene Person zu isolieren, zu schwächen, auszugrenzen oder aus dem Arbeitsverhältnis zu drängen.

Mobbing am Arbeitsplatz verständlich erklärt. Merkmale, Ursachen, rechtliche Einordnung und Abgrenzung zu Konflikten kompakt dargestellt.

Auseinandersetzungen am Arbeitsplatz treten regelmäßig auf. Sie entstehen zwischen Kolleginnen und Kollegen ebenso wie zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden. Solche Konflikte gehören zum Arbeitsalltag.

In vielen Fällen lassen sie sich durch Gespräche und Kompromisse lösen. Bleiben Konflikte jedoch ungelöst, verfestigen sich Missverständnisse. Unter ungünstigen Bedingungen kann daraus ein systematisches Vorgehen entstehen, das als Mobbing einzustufen ist.

Abgrenzung zwischen Konflikt und Mobbing

Nicht jeder Streit stellt Mobbing dar. Alltägliche Konflikte sind meist zeitlich begrenzt und betreffen eine konkrete Sachfrage. Mobbing unterscheidet sich davon durch seine Zielgerichtetheit und Dauer. Die Angriffe erfolgen regelmäßig und folgen einem Muster. Die betroffene Person befindet sich dabei in einer unterlegenen Position.

Mobbing kann von Einzelpersonen oder von Gruppen ausgehen. Es tritt auf gleicher Hierarchieebene oder hierarchieübergreifend auf. Erfolgt das Mobbing durch Vorgesetzte, spricht man von Bossing. Richtet sich das Verhalten von Mitarbeitenden gegen Vorgesetzte, wird der Begriff Staffing verwendet.

Rechtsanwalt Peter Harlander Peter Harlander
Harlander & Partner Rechtsanwälte
„Mobbing liegt nicht in einzelnen Konflikten begründet, sondern in der systematischen Wiederholung von Angriffen, die eine betroffene Person dauerhaft in eine unterlegene Position bringen“

Ursachen von Mobbing

Ungünstige betriebliche Rahmenbedingungen begünstigen das Auftreten von Mobbing. Dazu zählen unklare Zuständigkeiten, widersprüchliche Hierarchien sowie mangelnde Arbeitsorganisation. Auch wirtschaftliche Probleme, Personalmangel oder dauerhafte Über- oder Unterforderung erhöhen das Risiko.

Soziale Faktoren wirken zusätzlich verstärkend. Schwache Führung, hoher Konkurrenzdruck, Neid oder persönliche Antipathien können ein Betriebsklima schaffen, in dem feindseliges Verhalten leichter eskaliert. Mobbing entsteht meist nicht plötzlich, sondern entwickelt sich schrittweise.

Typische Merkmale von Mobbing

Mobbing ist durch bestimmte, wiederkehrende Verhaltensweisen gekennzeichnet. Dazu zählen:

Ferner weisen Mobbinghandlungen folgende charakteristische Merkmale auf:

Verantwortung der Arbeitgeberseite

Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber unterliegen einer gesetzlichen Fürsorgepflicht. Arbeitsplätze müssen so gestaltet sein, dass Leben, Gesundheit, Würde und persönliche Integrität der Beschäftigten geschützt bleiben. Mobbing gefährdet diese geschützten Interessen unmittelbar.

Im Rahmen der Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Belastungen besteht die Verpflichtung, entsprechende Risiken zu erheben, zu beurteilen und geeignete Maßnahmen umzusetzen. Werden Mobbinghandlungen bekannt, besteht eine Pflicht zum Einschreiten. Der Schutz der betroffenen Person vor weiteren Angriffen steht dabei im Mittelpunkt.

Eskalation von Konflikten

Bestimmte Anzeichen deuten auf eine Eskalation hin. Dazu zählen anhaltende Schlafstörungen, Gefühle von Hilflosigkeit sowie ein Verlust an Selbstwert und Selbstvertrauen. Auch zunehmende Unsicherheit oder Sprachlosigkeit gelten als Warnsignale.

Ein besonders ernstes Alarmzeichen liegt vor, wenn eine Konfliktpartei öffentlich bloßgestellt oder herabgewürdigt wird. In solchen Situationen steigt das Risiko schwerwiegender Folgen erheblich.

Rechtliche Einordnung von Mobbing

Eine gesetzliche Definition von Mobbing existiert in Österreich nicht. Ob Mobbing vorliegt, lässt sich nur anhand des konkreten Einzelfalls beurteilen. Die Rechtsprechung hat jedoch klare Kriterien entwickelt.

Nach ständiger Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs liegt Mobbing vor, wenn eine konfliktbelastete Kommunikation besteht, die betroffene Person unterlegen ist, systematische Angriffe über längere Zeit erfolgen und das Ziel verfolgt wird, die Person aus dem Dienstverhältnis zu drängen. Maßgeblich ist zudem, dass die betroffene Person das Verhalten als diskriminierend empfindet.

Unterstützung und Beratung

Bei anhaltenden Belastungen ist professionelle Unterstützung sinnvoll. Betriebsräte sowie Betriebsärztinnen und Betriebsärzte stellen häufig erste Anlaufstellen dar. Auch arbeitsrechtliche Beratungsangebote bieten Orientierung und rechtliche Einordnung.

Eine frühzeitige Beratung trägt dazu bei, Handlungsspielräume zu erkennen und gesundheitliche Folgeschäden zu vermeiden.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Zuletzt geändert: 02.06.2026
Autor Dr. Mariella Stubhann, MPM MBA
Beruf: Medieninhaberin, Chefredakteurin, Juristin
Gratis Erstgespräch: jetzt buchen
Dr. Mariella Stubhann, MPM MBA, ist Herausgeberin und Chefredakteurin von Finanz & Recht | Österreich. Ihre journalistischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Recht, Finanzen, Steuern und Soziales.

Die Redaktion

Dr. Mariella Stubhann MPM MBA Dr. Mariella Stubhann MPM MBA
Herausgeberin, Wirtschaftsjuristin
Finanzen, Steuern, Soziales
Rechtsanwalt Peter Harlander Mag. Peter Harlander
Herausgeber, Rechtsanwalt
Recht
Vertrag widerrufen